Was ist ein Krypto-Whitepaper?
Von Redaktion PlatformCrypto.eu · zuletzt geprüft am
Kurze Antwort
Ein Whitepaper ist das Dokument, in dem ein Projekt erklärt, was sein Token ist und wie er funktioniert. Unter MiCA ist es zudem Pflicht: Wer einen Kryptowert in der EU öffentlich anbietet oder zum Handel zulassen will, muss eines mit festem Inhalt veröffentlichen und der Aufsicht übermitteln.
Angefangen hat das Genre mit Bitcoin. Im Oktober 2008 beschrieb ein neunseitiges Papier, unterzeichnet von Satoshi Nakamoto, ein Zahlungssystem, das ohne vertrauenswürdigen Mittelsmann auskommt. Tausende Projekte folgten mit eigenen Papieren, von ernsthaften technischen Spezifikationen bis zu glänzenden Verkaufsbroschüren. Jahrelang prüfte niemand, was darin behauptet wurde oder wer hinter den Behauptungen stand.
Was MiCA geändert hat
Für die meisten Kryptowerte außer Stablecoins verlangt die EU-Kryptoverordnung jetzt ein Whitepaper, bevor ein Token öffentlich angeboten oder auf einer Plattform zum Handel zugelassen wird. Der Inhalt ist vorgeschrieben, unter anderem:
- wer der Anbieter oder Emittent ist und wer das Projekt betreibt;
- was der Token ist und welche Rechte und Pflichten mit ihm verbunden sind;
- die zugrunde liegende Technologie;
- die Risiken, gut sichtbar dargestellt;
- Angaben zu den wichtigsten nachteiligen Auswirkungen auf Klima und Umwelt.
Jedes Whitepaper muss den Hinweis enthalten, dass keine zuständige Behörde es genehmigt hat. Die Aufsicht erhält es per Übermittlung, prüft den Inhalt aber nicht vorab. Ist es irreführend, haften diejenigen, die es erstellt haben, für den Schaden. Für Stablecoins gelten strengere Regeln mit einer Zulassung vor der Ausgabe; siehe unsere Seite zu Stablecoins.
Wo du ein Whitepaper findest
Die ESMA, die EU-Wertpapieraufsicht, veröffentlicht übermittelte Whitepaper in ihrem vorläufigen Register, mit Angaben dazu, wer es erstellt hat, über welche Aufsichtsbehörde und wann. Bei Coins ohne Emittenten wie Bitcoin erstellt oft eine Börse oder ein spezialisiertes Unternehmen das Whitepaper, um die Zulassung zum Handel zu erhalten. Unsere Coin-Seiten nennen in ihren Quellen, wenn es ein MiCA-Whitepaper gibt, zum Beispiel bei Algorand und Ethereum Classic.
So liest du es kritisch
- Fang mit dem Risikoabschnitt an. MiCA schreibt ihn vor, also sollte er leicht zu finden sein.
- Prüf den Verfasser. Hat der Emittent es geschrieben oder ein Dritter mit begrenztem Einblick?
- Schau dir die Token-Verteilung an. Wie viel gehört dem Team und frühen Investoren, und wann wird es freigegeben? Was Marktkapitalisierung ist erklärt, warum das wichtig ist.
- Sei misstrauisch bei Versprechen. Ein MiCA-Whitepaper darf keinen garantierten Wert nahelegen. Ein Projekt, das dir Token ganz ohne Whitepaper oder mit Renditeversprechen verkaufen will, ist ein Warnsignal; hast du bereits Geld verloren, lies Krypto gestohlen: Was kannst du tun?.
Sagt ein Whitepaper etwas über den Kurs aus?
Nein. Es ist eine Offenlegung, kein Gütesiegel und keine Empfehlung. Auch ein Token mit sauberem Whitepaper kann den Großteil seines Werts verlieren. Wie die Smart Contracts hinter vielen Token funktionieren, erklärt was ein Smart Contract ist.
Wenn du dich zum Kauf entscheidest, nutze eine Börse aus unserer MiCA-Übersicht; der Vergleichsrechner zeigt, wo deine Euro am meisten bringen.
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